2. Oktober 2017 Chris

10 gute Gründe, sich um einen Stamm an Kunden zu bemühen

Natürlich ist es verführerisch, nach zermürbender Akquise endlich den einen Kunden gefunden zu haben, der das Auftragsbuch mit Jobs überflutet. Voll motiviert steigt man ein und ist bereit, all seine Kraft und Zeit dieser neu gewonnenen Sicherheit zu widmen.
Aber so läuft das Spiel leider nicht.
 
„Alles auf eine Karte setzen“ mag in episch-dramatischen Hollywood Produktionen funktionieren. Aber als Freelancer hier in der wirklichen Welt bedeutet das eben auch, alles auf einen Schlag verlieren können. Und noch mehr.
Binde dich nicht an einen Herren!
 

Also gehen wir tiefer und finden heraus, warum es nicht nur wichtig, sondern essentiell ist, als Freelancer eine Vielzahl von aktiven Auftraggebern zu haben.
 

1 Selbstbewusstsein
Da gibt es nicht viel zu erklären…
Es ist ein gutes Gefühl, gefragt zu sein.
 

2 Den eigenen Marktwert testen
Natürlich kann die Vergütung je nach Projekt Budget variieren. Dennoch ist es aufschlussreich, herausfinden zu können, was verschiedene Auftraggeber bei identischen Aufgabenstellungen bereit sind, zu zahlen.
Stellt man beispielsweise fest, dass ein Klient deutlich unter dem Durchschnitt liegt, wäre eine Nachverhandlung angemessen.
 

3 Abwechslung
Nur, weil man sich auf einen bestimmten Aspekt seiner Profession spezialisiert hat, sollte man nicht gezwungen sein, tagein, tagaus exakt die selbe, festgelegte und langsam aber sicher eintönig werdende Arbeit zu erledigen. Sind es doch die Variationen, die neuen Details, die Diversifikation der Aufgaben, die den Reiz ausmachen.
Eine gleichbleibende Qualität bei wechselnden Rahmenbedingungen abzuliefern ist ebenso herausfordernd, wie spannend. Und letzten Endes überhaupt der Grund, eine Laufbahn als Freelancer einzuschlagen.
 

4 Neue Strukturen erkennen
Abläufe, Praktiken und Problemlösungen variieren von System zu System. Teilweise minimal, teilweise drastisch. Die, wenn auch zeitlich beschränkte Integration ermöglicht sowohl den Einblick, wie auch die Adaption neuer Techniken und kann im besten Fall zu einer Optimierung der eigenen Methoden führen.
 

5 Verbesserung der eigenen Fähigkeiten
Die Quintessenz der beiden vorhergegangenen Punkte. Variables Arbeiten in unterschiedlichen System verlangt ständig neue Wege und neue Lösungsansätze. Man lernt, die eigenen Praktiken anzupassen, zu verschlanken und zu verfeinern.
Das gewonnene Wissen, sowie die Erfahrung äussern sich in Sou­ve­rä­ni­tät. Was nicht anderes bedeutet, als sich in einer unvorhergesehenen Situation so zu verhalten, als hätte man genau Das erwartet.
Ähnlich einem trainierenden Sportler wird man besser, wovon selbstverständlich auch jeder einzelne Kunde profitiert.
 

6 Ausweitung des Netzwerkes
…womit nicht ausschließlich die Klienten selbst gemeint sind. Aber es ist höchst wahrscheinlich, dass man mit Menschen in Kontakt treten wird, mit denen man professionelle Überschneidungen hat.
Solche Kontakte können ausserordentlich fruchtbar sein, da, von einer kleinen Hilfestellung bis zu einer langfristigen Beziehung (geschäftlich, nicht zwangsläufig persönlich) buchstäblich alles möglich ist. So kann es durchaus passieren, dass weitere Jobs durch die Empfehlung eines Kollegen, eines anderen Freelancers, generiert werden können.
Was uns direkt zum nächsten Punkt führt, dem…
 

7 Sammeln von Referenzen
Das sollte offensichtlich sein. Wer eine beeindruckende Auswahl von Referenzen vorweisen kann, ist nicht nur bei der Vergabe des Jobs, sondern auch bei Verhandlung um das Honorar klar im Vorteil.
Schematisch gesprochen:
Klient F wird ein Engagement mit dir gerne in Betracht ziehen, wenn er weiß, dass du bereits gut mit den Klienten A, B, C, D und zusammengearbeitet hast.
 

8 Auslastung des Kalenders
Na, das sollte doch wohl offensichtlich sein. Viele Jobs bedeutet, viel zu tun zu haben. Und es ist wesentlich wahrscheinlicher eine Vielzahl von Projekten von unterschiedlichen Auftraggebern abzuarbeiten, als darauf zu vertrauen, von ein und demselben mit ausreichend Arbeit versorgt zu werden.
Heute hier morgen da eben.
 

9 Unabhängiger Cashflow
Ein äußerst unangenehmes Gefühl stellt sich ein, wenn man Tage, Wochen oder sogar Monate dieses „eine große Ding“ beackert hat, dann endlich seine Abschlussrechnung ausstellt und… nichts passiert. Vielleicht ist es nur die lockere Zahlungsmoral des Klienten, vielleicht aber auch etwas schlimmeres, weil endgültiges.
Abgesehen davon, dass es immer ratsam ist, bei langfristigen Arrangements, Interims-Rechnungen zu vereinbaren, nimmt ein größerer Kundenstamm solch schwierigen Situationen des Stachel, da, während man noch für den Einen arbeitet, gerade vielleicht die Rechnung des Anderen überwiesen wurde.
 

10 Vermeidung der Scheinselbstständigkeit
Und das ist der Moment, wo der Spass aufhört. Basierend auf einem ziemlich interpretationsoffenen Gesetz ist das Konzept der Scheinselbstständigkeit im Kern ein Konzept zum Schutz der Selbstständigen. Also etwas Gutes. Tatsächlich stellt das Damoklesschwert der Scheinselbstständigkeit in den meisten Fällen eine Verkomplizierung des Arbeitsverhältnisses dar.
Information tut not und wer sich in das Thema einlesen möchte (was zu empfehlen ist), dem sei dieser Artikel von Christa Weidner ans Herz gelegt.
Den Ungeduldigen möchte ich nur folgende Faustformel an die Hand geben (ja, das war ein gutes Wortspiel):
Wenn 5/6 der Einnahmen durch nur einen Kunden generiert werden, erfüllt das den Tatbestand der Scheinselbstständigkeit. Und das ist NICHT GUT!


Pingback #1: Es ist gut und wird noch besser
Pingback #2: Freelancer vs Entrepreneur

Nachtrag: um der ganzen Theorie auch etwas praktikables Fleisch auf die Knochen zu geben, erhebe ich an mich selbst den Anspruch, einen Artikel zu schreiben, der erläutert, wie man mehrere Auftraggeber für sich gewinnt und managed.

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