15. September 2017 Chris

Oh Winston…

„Gib niemals auf“ ist die paraphrasierte Übersetzung des, über die Maßen berühmten Zitates von Winston Churchill aus seiner Rede an der Harrow School vom 29. Oktober 1941.

Es stellt geradezu das „A“ im „ABC“ der motivierenden Sprüche da. Ihm deswegen eine universelle Gültigkeit zu geben, ist allerdings falsch, wenn nicht sogar gefährlich. Den ein störrisches, krampfhaftes Festhalten am Ist-Zustand hat 1000fach zu desaströsen Auswirkungen geführt. Privat, wie wirtschaftlich.

Zu wissen, wann Schluss ist, wann Schluss sein muss, ist entscheidend und der wahrscheinlich schwierigste und schmerzlichste Schritt. Der letzte Schritt am Ende eines wahrscheinlich langen Weges.

Seth Godin hat ein großartiges Buch namens „The dip“ zu diesem Thema geschrieben und der Mann kann schreiben, weswegen ich mich hier nicht abmühen will, um es besser zu erklären, als er es bereits getan hat.

GUESS I KNOW WHEN TO QUIT! 😉

Aufhören, aufgeben, das Handtuch werfen…
All das sollte schwierig sein.
Es sollte schmerzvoll sein.
Es sollte die letzte Bastion sein.

Bis dahin ist man mit seiner Vision, seiner Entscheidung, seinem Weg verheiratet.
Bis dahin hat man alles versucht.

Als ich meine ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit tat, nahm ich an einem „Gründerseminar“ teil. Es war eine der Voraussetzungen zur Bewilligung des Gründungszuschuss.

Ich saß also an einem, wenn ich mich recht erinnere, regnerischen Herbsttag mit vielleicht zwanzig anderen Teilnehmern in einem Tagungsraum der Wirtschaftsförderung und hörte einem reichlich unsympathischen Redner dabei zu, wie er die Grundzüge des Rechnungswesens zu vermitteln versuchte.
Und ich meine damit die wirklichen Grundzüge. Meine Aufmerksamkeit sank entsprechend ins Bodenlose.

Dann passierte etwas interessantes. Einer der Teilnehmer fragte, wie es ihm möglich sein sollte, über die ersten 30 Tage zu kommen, wenn all seine Rechnungen zu Beginn des Monats abgebucht werden, der Zuschuss aber erst zum Ende des Monats gutgeschrieben wird.
Stille…
Der, bis hierher monoton schwadronierende Redner stockte.

„Wie können sie ihr Geschäft, das zukünftige Rückgrat ihrer Existenz von den Bezügen eines einzigen Monats abhängig machen? Zwei Jahre müssen sie problemlos durchhalten. Das sind sie ihrer Idee und sich selbst schuldig. Das ist das Mindeste. Und sie müssen wissen, wie. Zeigen sie gefälligst Respekt vor dem, was sie tun.“

Das war bis Heute der wohl wichtigste Rat, den ich erhalten habe. Da kommt Churchill nicht mit.

Der Plan war nun also, 102 Wochen durchzuhalten, anschließend Bilanz zu ziehen und detailliert zu analysieren, ob mein Geschäftsmodell funktioniert. Kennzahlen auswerten, Exel Tabellen sichten…
Oder einfach aufs Konto schauen und überprüfen, ob man zufällig pleite ist.

Am Morgen des 730sten Tages habe ich dann nichts von alledem gemacht. Denn ich war bereits wieder auf dem Weg zu einem Job. Dennoch hätte das der Stichtag sein können, wären einige Dinge anders gelaufen. Aber das Leben passiert nicht im Konjunktiv.

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