29. August 2017 Chris

Es ist gut und wird noch besser

Vielleicht ist es merkwürdig, eine solche Überschrift frei von Ironie in den Raum zu stellen. Denn nach allgemeinem Konsens ist ja alles furchtbar und wird schlimmer und schlimmer. Ich persönlich finde das ja zwiespältig, da mich das alte „früher war alles besser“ schon über Jahre begleitet. Ich weiß nicht…
Also hier geht’s um Freelancer und nicht um die aussenpolitische Lage Nord Koreas. Und der Markt für Freelancer (gerne auch aus Nord Korea) boomt zur Zeit!

Okay, vielleicht ist es ein wenig übertrieben, von einem „Boom“ zu sprechen, aber (und dafür gibt es belegbare Zahlen) die Anzahl der Freelancer in Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Wir sprechen somit von mehr als 1.382.000 Menschen!

Auf die Gefahr hin, sich wie ein Politiker anzuhören: Da kann schon von signifikantem Wachstum sprechen.
Und die wirklich gute Nachricht kommt erst noch.

Es wird weitergehen!

Ich kann mir gut vorstellen, dass so viele, dermaßen positive Äußerungen schwierig zu schlucken sind.
Also atmen wir tief ein, lehnen uns zurück und schauen uns mal vollkommen entspannt die verschiedenen Faktoren an, die maßgeblich zu diesem Trend beitragen.

Die Statistik zeigt die Zahl der Selbstständigen in freien Berufen in Deutschland in den Jahren von 1992 bis 2017 (in 1.000, jeweils zum 1. 1. des Jahres). Im Jahr 2017 gab es rund 1,38 Millionen Selbstständige in Deutschland.

 

DIVERSIFIKATION

Die Auffächerung zahlreicher Geschäftszweige befeuert den Bedarf an Freelancern ungemein. Denn zu den wenigen großen Playern sind in den letzten Jahren tausende mittlere, kleine und sehr kleine Businesses dazugekommen.

Ein Beispiel:
Allein im Modebereich haben dermaßen viele Newcomer das Licht der Welt erblickt, dass es bei modeopfer101.de eine Vorstellung der 188 spannendesten (!) gibt. Hier der LINK.
Jedes dieser Labels wird Fotografen benötigen. Webdesigner, Makeup Artist, Social Media Manager, vielleicht Caterer, möglicherweise Fahrer… ?
Gleichzeitig ist der Bedarf sporadisch. Fotograf und Makeup Artist werden vielleicht sieben- oder achtmal im Jahr benötigt. Der Social Media Manager vielleicht nur 2 Stunden pro Woche. Dafür wird niemand festangestellt.

TECHNISCHE ENTWICKLUNG

Produktion von Gütern ist in der westlichen Welt vielleicht noch nicht tot aber sie stirbt beharrlich weiter. Und ich spreche hier nicht von handgemachten Unikaten oder speziellen, liebevoll hergestellten Kleinstauflagen. Ich rede von international agierenden aber lokal produzierenden Konzernen. Opel, Thyssen Krupp usw.

All das ist bekannt oder sollte zumindest bekannt sein.

Gleichzeitig haben wir eine exponentielle Technisierung des Alltags erlebt. So wird zB dieser Artikel gerade höchstwahrscheinlich über einen Laptop, ein Smartphone oder ein Tablet gelesen, während es vor gerade mal 20 Jahren nur 6 Millionen Computer gab, die mit dem Internet verbunden waren.

Consumer-Technik hat einen dermaßen hohen Standart erreicht, dass beispielsweise heutzutage qualitativ hochwertige Videos / Filme mit minimalstem Equipment realisiert werden können. Kein Studio, keine Crew, kein tonnenschwerer Kamera- oder Lichtpark etc. Mit geringem Aufwand und einem Bruchteil der Kosten können absolut konkurrenzfähige Ergebnisse erzielt werden. Oder anders gesagt: Ja, du kannst mit deinem Smartphone ein verdammt gutes Video machen, sofern die Idee dahinter gut ist.

SPEZIALISIERUNG

Anforderungen und Aufgaben werden zunehmend spezifischer, was die Möglichkeit eröffnet, in einem sehr klar definierten Bereich herausragende Arbeit zu leisten.

Technisierung und Diversifikation bedingen und erfordern diesen Einsatz von Experten zu gleichen Anteilen, zumal es den Alleskönner, den MacGyver, den Jack-of-all-trades eh nicht gibt. Muss es auch gar nicht.
Die eigene Nische zu finden, die Anforderungen zu meistern und so seine eigene „Marke“ zu kreieren sollte der Masterplan im Hinterkopf eines jeden Freelancers sein.

Das muss nicht leicht werden. Wird es wahrscheinlich nicht.
Aber davon ausgehend, dass man seine Profession ohnehin aus Leidenschaft gewählt hat, sollte man annehmen, dass es eine spannende Reise wird.


Credits:
das Titelbild hat mein lieber, guter Freund Michael auf einem gemeinsamen Kurztrip nach London geschossen. Weil er’s kann. Wie man HIER sehen kann.

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